Eine Website kann inhaltlich hervorragend sein und dennoch in der Google-Suche nicht erscheinen. Die Ursache liegt dann meist nicht im Text, sondern in technischen Hindernissen: Eine robots.txt blockiert wichtige Verzeichnisse, noindex-Tags verhindern die Indexierung oder die mobile Version liefert andere Inhalte als die Desktop-Variante. Solche Fehler fallen erst auf, wenn gezielt danach gesucht wird.
Ein systematisches technisches SEO-Audit deckt diese Hindernisse auf. Anders als bei einer spontanen Prüfung folgt es einer festen Reihenfolge: Zuerst werden Indexierung und Crawling geprüft, dann Technik und Core Web Vitals, danach Onpage-Faktoren, Inhalte, strukturierte Daten und interne Verlinkung. Die Reihenfolge hat einen praktischen Grund: Eine Seite, die Google nicht indexieren kann, wird auch durch bessere Texte nicht sichtbar.
Ein Website-Audit für 2026 ist kein reiner Technik-Check. Es geht nicht um grüne Haken in einem Tool, sondern darum, Hindernisse zu finden, die Sichtbarkeit und Nutzererfahrung tatsächlich einschränken. Ein vollständiges Audit deckt 12 Bereiche ab:
Technisches SEO prüft Indexierung und Fehler, denn ohne Indexierung kann eine Seite in der Google-Suche nicht erscheinen. Core Web Vitals messen Ladezeit, Reaktion und Stabilität. Google nennt die Werte als Teil seiner Ranking-Systeme, Relevanz bleibt aber vorrangig. Content-Qualität bewertet, ob Inhalte die Nutzerintention treffen. Inhalte, die die Suchfrage beantworten, werden eher genutzt als austauschbare Texte.
E-E-A-T-Signale umfassen Autorität und Vertrauen. Sichtbare Autoren, Quellen und Belege sind Teil von Googles Fragen zu hilfreichen Inhalten. Mobile UX prüft die Bedienbarkeit, da Google primär die mobile Version indexiert. Sie muss die gleichen Inhalte liefern wie die Desktop-Version.
Interne Verlinkung analysiert die Link-Architektur. Google folgt Links nur, wenn sie als a-Element mit href gesetzt sind. Strukturierte Daten in Schema.org und JSON-LD können Rich Results ermöglichen, ein Anspruch darauf besteht nicht. Crawlability untersucht, ob robots.txt, Sitemap und Statuscodes Google den Zugriff ermöglichen.
Local SEO bewertet regionale Signale. Relevanz, Entfernung und Bekanntheit bestimmen laut Google das lokale Ranking. AI Visibility berücksichtigt KI-Suchfunktionen. Laut Google gelten für KI-Funktionen keine zusätzlichen technischen Anforderungen. Rechtliche Konformität prüft Pflichten nach deutschem Recht, im Einzelfall rechtlich prüfen lassen. Priorisierung nach Aufwand und Wirkung verhindert, dass Zeit in unwichtige Details fließt.
Für den Einstieg reichen drei kostenlose Tools: Google Search Console zeigt Indexierungsstatus und Core Web Vitals aus echten Nutzerbesuchen. PageSpeed Insights liefert Feldwerte der letzten 28 Tage aus dem Chrome UX Report und Labordaten aus Lighthouse. Der Rich Results Test prüft strukturierte Daten. Für eine tiefere Analyse kommt ein Crawler hinzu. Der Screaming Frog SEO Spider ist bis 500 URLs kostenlos und exportiert Statuscodes, Titel und interne Links.
Die Prüfung beginnt mit der Indexierung. In der Search Console zeigt der Bericht "Seitenindexierung" Statusmeldungen je Seitentyp. "Gecrawlt, zurzeit nicht indexiert" bedeutet: Google hat die Seite abgerufen, aber nicht aufgenommen. "Gefunden, zurzeit nicht indexiert" bedeutet: noch nicht abgerufen. Nicht jede ausgeschlossene URL ist ein Fehler.
Die robots.txt wird im Browser unter domain.de/robots.txt geprüft. Disallow-Regeln werden gegen wichtige Verzeichnisse abgeglichen. Mit robots.txt lässt sich eine Seite nicht aus Google heraushalten, dafür dient noindex. Für das mobile Indexing sollten auch Ressourcen nicht blockiert sein.
noindex und Canonical werden im Quelltext und in der URL-Prüfung der Search Console kontrolliert. Wichtige Seiten dürfen kein noindex tragen. Canonical zeigt auf die bevorzugte URL. Google behandelt Canonical als Hinweis, nicht als Anweisung, und warnt vor widersprüchlichen Signalen.
Statuscodes und Weiterleitungen prüft ein Crawler. Wichtige URLs dürfen keine 404 oder 5xx zurückgeben. Dauerhafte Umzüge erfolgen per 301 oder 308, vorübergehende per 302, 303 oder 307. JavaScript-Weiterleitungen sind nur als letzte Lösung geeignet.
Interne Links müssen crawlbar sein: als a-Element mit href. Links, die nur per JavaScript-Ereignis funktionieren, kann Google nicht zuverlässig verfolgen. Die mobile Version muss die gleichen Inhalte, Überschriften, Titel, Meta-Description, strukturierte Daten und robots-Meta-Tags liefern wie die Desktop-Version. Inhalte, die erst nach Klick oder Wischen laden, lädt Google nicht.
Eine XML-Sitemap ist hilfreich, aber nicht zwingend. Sie sollte nur indexierbare Haupt-URLs enthalten. Eine Sitemap sichert weder Crawling noch Indexierung zu. Bei kleinen, gut verlinkten Websites unter etwa 500 Seiten nennt Google sie nicht als zwingend. Die Crawling-Statistiken in der Search Console zeigen Anfragen, Antwortcodes und Serverstatus, meist erst bei großen Websites ab etwa 1.000 Seiten nötig.
Die drei Core Web Vitals sind Largest Contentful Paint (LCP), Interaction to Next Paint (INP) und Cumulative Layout Shift (CLS). Sie messen, wie schnell der Hauptinhalt erscheint, wie schnell die Seite auf Eingaben reagiert und wie stabil das Layout bleibt. INP ist der Nachfolger des früheren First Input Delay.
Laut web.dev gilt eine Seite als gut, wenn mindestens 75 Prozent der Seitenaufrufe die Grenzwerte einhalten, getrennt ausgewertet für Mobilgeräte und Desktop. Die Schwellenwerte am 75. Perzentil: LCP bis 2,5 Sekunden, INP bis 200 Millisekunden, CLS bis 0,1. Werte über 4,0 Sekunden (LCP), über 500 Millisekunden (INP) oder über 0,25 (CLS) gelten als schlecht.
Die Search Console zeigt Feldwerte aus echten Nutzerbesuchen im Bericht "Core Web Vitals". PageSpeed Insights zeigt Feldwerte der letzten 28 Tage aus dem Chrome UX Report und zusätzlich Labordaten aus Lighthouse. Beide können sich widersprechen: Feldwerte sind ein Verlauf, Labordaten die Simulation eines einzelnen Ladevorgangs. Entscheidend für die Bewertung sind die Feldwerte, sofern genug Nutzerdaten vorliegen. Bei wenig Traffic fehlen sie oft, dann bleiben die Labordaten als Anhaltspunkt.
Google schreibt, Core Web Vitals würden von seinen Ranking-Systemen genutzt. Zugleich zeigt Google weiterhin die relevantesten Inhalte, auch bei schwacher Seitenerfahrung. Gute Werte können bei vielen ähnlich guten Ergebnissen den Ausschlag geben, ersetzen aber keine passenden Inhalte. Ein Ranking oder Umsatzplus lässt sich aus den Werten nicht ableiten.
